[Mythen rund um die Futtersuche.]

Vor Kurzem habe ich auf Tik­Tok ein Video zur Fut­ter­suche gepostet. Hier­bei ging es darum, dass man seinen Hund ganz ein­fach beschäfti­gen kann, indem man Leck­erlis oder sein Fut­ter im Garten ver­streut oder ver­steckt und er dieses suchen muss. Dieses Video wurde fast 100.000 mal ange­se­hen und erhielt viele Kom­mentare. Einige schrieben, dass sie das bere­its seit Jahren und regelmäßig machen wür­den. Anhang einiger Kom­mentare war schnell klar, dass ein nicht wirk­lich geringer Teil zum ersten Mal von dem Begriff Fut­ter­suche gehört haben. Obwohl ich ver­sucht habe, so viel es geht zu erk­lären, haben mich einige Kom­mentare aus den Sock­en gehauen und so möchte ich gern diesen Artikel nutzen, um über Mythen rund um die Fut­ter­suche aufzuk­lären.

Die Futtersuche

Viele Hun­de­hal­ter unter­schätzen die Fut­ter­suche und Nase­nar­beit im All­ge­meinen. Ein Hund braucht nicht nur Bewe­gung, son­dern muss auch seine Nase und seinen Kopf nutzen. Er muss nicht nur kör­per­lich, son­dern auch geistig aus­ge­lastet wer­den. Die Fut­ter­suche eignet sich für jeden Hund, daher finde ich es so ele­men­tar wichtig, dass man sich damit auseinan­der­set­zt und in seinen All­t­ag inte­gri­ert. Es gibt so viele Möglichkeit, den Hund mit der Nase arbeit­en zu lassen. Das Fol­gende bezieht sich dabei lediglich auf die nor­male Fut­ter­suche. Hier­bei ver­steckt man das Fut­ter zum Beispiel im Garten im hohen Gras, verteilt es großflächig auf ein­er Rasen­fläche oder auch in der Woh­nung. Viele Hunde fressen Trock­en­fut­ter. Warum soll man dies täglich stumpf in den Napf schüt­ten, wenn man das Fut­ter genau­so gut nutzen kann, um den Hund auszu­las­ten? Wer barft oder Nass­fut­ter gibt, kann als Alter­na­tive zum Beispiel mit ganz kleine Stückchen getrock­neter Lunge arbeit­en.

Bei uns wird täglich das Fut­ter gesucht. Einen Teil des Fut­ters bekom­men sie nach der großen Runde kurz vorm Mit­tag. Am Nach­mit­tag gehen wir in den Garten und suchen die andere Hälfte des Fut­ters. Manch­mal verteile ich es auf ein­er großen Fläche im Garten oder baue kleine Übun­gen ein, sodass sie warten müssen, bis sie einzelne Stückchen suchen dür­fen und ähn­lich­es. Hier kann man sehr viele Vari­a­tio­nen ein­binden. Queen und Püp­pi lieben es und bei uns ste­ht es täglich auf dem Pro­gramm. Wenn man sieht, wie gern die bei­den mit der Nase arbeit­en und wie wun­der­bar sie das aus­lastet, dann finde ich es wirk­lich schade, dass manche Hun­de­hal­ter noch nie auf den Gedanken gekom­men sind, ihrem Hund ein Leck­er­li zu ver­steck­en. Hunde, die lediglich drei mal am Tag vor die Tür dür­fen und immer die gle­ichen Run­den laufen, während Her­rchen oder Frauchen nicht weiß, wie man sich art­gerecht mit dem Vier­bein­er beschäfti­gen kann, tun mir wirk­lich leid.

Aber ich schweife ab. Kom­men wir nun zu den Mythen rund um die Fut­ter­suche.

Hunde, die Futter auf dem Boden suchen, fressen auch Giftköder.”

Diese Aus­sage begeg­nete mir immer wieder. Die Fut­ter­suche sei leichtsin­nig und man solle dem Hund lieber nichts vom Boden suchen lassen. Grund­sät­zlich kann man jedoch sagen, dass jed­er Hund ein Anti — Giftköder — Train­ing absolviert haben sollte. Wenn man dies vernün­ftig auf­baut, dann kann ein Hund unter­schei­den, ob da etwas im Gebüsch liegt, was er nicht fressen sollte oder ob man ihn gezielt in die Suche geschickt hat. Wer Bedenken hat, kann die Rasen­fläche vor der Nase­nar­beit absuchen und den Hund ganz gezielt nur dort in die Suche schick­en. Queen und Püp­pi haben bei­de gel­ernt zu unter­schei­den und die bei­den würde draußen nichts aufnehmen, was sie gefun­den haben, ohne in die Suche geschickt wor­den zu sein. Wer den­noch Bedenken hat, kann auch auss­chließlich im Haus oder in der Woh­nung suchen und so dem Hund einen noch deut­lichere Unter­schei­dung bieten.

Das ist total unhygienisch, denn vielleicht hat der Hund am Tag zuvor genau auf der Stelle im Garten uriniert.”

Ich glaube, da muss ich gar nicht viel zu sagen. Wenn ein Hund im eige­nen Garten ein Fut­ter­stück von ein­er Stelle aufn­immt, auf die er am Tag zuvor uriniert hat, dann ist das nicht weniger unhy­gien­isch wie die Tat­sache, dass der Hund sich am Po leckt.

Der Hund könnte bei der Futtersuche Gras aufnehmen und das ist total ungesund.”

Sollte bei der Fut­ter­suche der ein oder andere Grashalm gefressen wer­den, ist das abso­lut kein Prob­lem. Selb­st das gezielte Fressen von Gras sollte man seinem Hund nicht grund­sät­zlich ver­bi­eten, denn der Hund regelt auf diese Weise seinen Nährstoffhaushalt und / oder seine Ver­dau­ung. Es gibt sich­er Fälle, in denen man ein über­mäßiges Fressen von Gras mit einem Tier­arzt besprechen sollte, doch es beste­ht sicher­lich kein Prob­lem, wenn ein Hund bei der Fut­ter­suche einen Grashalm mit aufn­immt.

Ein Grashalm ist eben­so harm­los wie dieser “Haarschmuck” von Püp­pi 🙂

Wer Futter versteckt ist zu faul zum Spazieren gehen.”

Die Fut­ter­suche erset­zt keinen Spazier­gang. Zwar lässt sich dur­chaus fes­thal­ten, dass 15 Minuten Nase­nar­beit eben­so aus­las­tend sein kön­nen, wie 90 Minuten stumpfes Spazieren gehen, doch ich wollte damit keines­falls zum Aus­druck brin­gen, dass dadurch ein Spazier­gang erset­zt wer­den kann. Jed­er Hund muss täglich mehrmals raus. Die Fut­ter­suche dient hier lediglich als Ergänzung, Abwech­slung im All­t­ag und als art­gerechte Beschäf­ti­gung für Zwis­chen­durch. Einen Spazier­gang erset­zt sie selb­stver­ständlich nicht.

Mein Hund muss doch für sein Fressen nichts tun.”

Schade, denn Hunde arbeit­en super gern für ihr Fut­ter und das ist abso­lut art­gerecht. Lei­der wer­den Hunde immer noch viel zu oft und viel zu sehr ver­men­schlicht. Ein Kom­men­tar lautete “Richte das Fut­ter doch lieber schön auf einem Teller an. Du willst doch auch nicht vom Boden essen, oder?” Wer einen Hund hält, sollte sich mit seinen Bedürfnis­sen auseinan­der­set­zen und bitte nicht mit denen eines Men­schen ver­gle­ichen. Hunde lieben es für ihr Fut­ter zu arbeit­en. Auf diese Weise wer­den sie beschäftigt, art­gerecht aus­ge­lastet und gle­ichzeit­ig stärkt man die Bindung zu seinem Tier. Und wenn es nicht die Fut­ter­suche ist, dann sind es vielle­icht kleine Tricks oder der Fut­ter­ball, der die Hun­deau­gen leucht­en lässt. Egal auf welche Art, Hunde wollen beschäftigt wer­den und denen ist es völ­lig gle­ichgültig, wie das Essen angerichtet ist — wir sind ja schließlich nicht in ein­er Cesar — Wer­bung 🙂

Füttere deinen Hund lieber aus der Hand. Nur das stärkt die Bindung.”

Lei­der eine noch sehr stark ver­bre­it­ete, aber völ­lig über­holte Sichtweise. Eine Bindung stärkt man nicht (nur) durch eine füt­ternde Hand, son­dern durch gemein­same Erleb­nisse, durch gemein­sames Arbeit­en und durch art­gerechte Beschäf­ti­gung. Wenn man lediglich durch das Füt­tern aus der Hand eine Bindung zu seinem Hund auf­bauen kön­nte, dann würde es für Queen, Püp­pi und mich sehr fin­ster ausse­hen 😀

Fazit

Die Fut­ter­suche — in welch­er Form und an welchem Ort auch immer — ist eine tolle Möglichkeit, seinen Hund art­gerecht und geistig auszu­las­ten. Damit Hunde unter­wegs nichts Uner­wün­scht­es aufnehmen, soll­ten sie ein Anti — Giftköder — Train­ing machen. Es ist kein Prob­lem einem Hund den Unter­schied zur geziel­ten Fut­ter­suche beizubrin­gen. Beim Mantrail­ing schicke ich Queen auch gezielt in die Suche. Außer­halb dieser Arbeit käme sie nie auf die Idee einen men­schlichen Geruch zu ver­fol­gen. Hunde sind da schlauer als wir denken und wir kön­nen ihnen da ruhig etwas mehr zutrauen. Die Fut­ter­suche kann durch kleine Abwe­ichun­gen ganz viele span­nende Vari­a­tio­nen bekom­men. Queen und Püp­pi schlafen anschließend völ­lig entspan­nt und aus­geglichen — darauf möchte ich defin­i­tiv nicht mehr verzicht­en. Ich hoffe, dass ich bezüglich einiger Mythen aufk­lären kon­nte, denn die Fut­ter­suche sollte — in welch­er Form auch immer — bei unseren Hun­den zum All­t­ag gehören.

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